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Grossorient
der Schweiz

Weisheit, Stärke, Schönheit

Gemeinsam für den Fortschritt der Menschheit

Am 10. Mai vertrat Christophe Ravel den Grossorient der Schweiz bei der Gedenkfeier für Victor Schœlcher im Panthéon. Anlass war der Nationale Gedenktag an den Sklavenhandel, die Sklaverei und ihre Abschaffung. Christophe Ravel ist Altgrossmeister des Grand Orient de Suisse und heute Freundschaftsgarant sowie Vertreter des GOS bei den afrikanischen Obedienzen.

Die Delegation des Grossorients der Schweiz folgte der Einladung des Grand Orient de France und überbrachte die brüderlichen Grüsse des GOS. Ihre Teilnahme war ein zutiefst symbolischer und brüderlicher Schritt, getragen von aufrichtigen und lebendigen Verbindungen zwischen unseren Obedienzen.

Die Feier war besonders bewegend. Die Redner des GODF und der anwesenden Logen erinnerten eindringlich an die Würde des Menschen, an den Kampf gegen jede Form der Unterdrückung und an die Ideale von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit. Diese Grundsätze stehen weiterhin im Mittelpunkt unseres Engagements, und ihre Aktualität rüttelt unser Gewissen bis heute auf.

In der Krypta des Panthéon ruhen auch Félix Éboué und Jean Jaurès. In einem solchen Rahmen diesen grossen Gestalten der Geschichte gegenüberzustehen, ist eine Erfahrung von seltener symbolischer Kraft. Die Erinnerung an die humanistischen Kämpfe, die unsere Geschichte geprägt haben, tritt hier besonders deutlich hervor. Sie lädt jeden Einzelnen ein, die universellen Werte weiterhin wachsam und mit klarem Blick zu verteidigen.

Die Anwesenheit des Grossorients der Schweiz zeigt auch die engen brüderlichen Bande zwischen mehreren Logen des GOS und des GODF. Die Respektable Loge Le Labyrinthe in Genf bereitet derzeit eine Partnerschaft mit der Respektablen Loge Victor Schœlcher 4530 in Paris vor. Diese Initiative zeigt konkret den Willen, den brüderlichen Austausch und die Zusammenarbeit zwischen Bauhütten mit denselben humanistischen Idealen zu stärken.

Ebenfalls anwesend waren Vertreter der Respektablen Loge La Clémente Amitié. In dieser historischen Loge des GODF wurde Victor Schœlcher aufgenommen. Eines ihrer Mitglieder ist zugleich Meister vom Stuhl der Respektablen Loge L’Étoile de Ubuntu im Orient Genf, die zum Grossorient der Schweiz gehört. Diese Verflechtung von Lebenswegen, Engagements und Bruderschaften zeigt, wie lebendig die Verbindungen zwischen unseren Obedienzen über Landesgrenzen hinweg sind.

Wie bei der Feier betont wurde, entfaltet die Brüderlichkeit ihren vollen Sinn, wenn sie zu einer Brücke zwischen den Völkern und den Gewissen wird.

In der Ansprache vor dem Grab Victor Schœlchers hiess es unter anderem:

«Wir haben uns heute vor dem Grab Victor Schœlchers versammelt, an diesem für die Französische Republik höchst symbolischen Ort. Wir feiern eine grundlegende Errungenschaft der Menschheit: die Verkündung des Endes der Sklaverei.

Diese Erinnerung gilt nicht nur einem vergangenen Sieg. Sie ist ein lebendiges Erbe, das wir pflegen müssen.

Die Brüderlichkeit entfaltet ihren vollen Sinn, wenn sie zu einer Brücke zwischen den Völkern und den Gewissen wird. Dafür stehen die Annäherung zwischen unseren Obedienzen und die Partnerschaft zwischen meiner Mutterloge in Genf und der Loge Victor Schœlcher 4530 in Paris. Sie erinnern uns daran, dass die Bruderketten stärker sind als die Grenzen.

Das Universelle entfaltet seinen vollen Sinn, wenn wir begreifen, dass wir unser Menschsein gemeinsam aufbauen. Gemeint ist ein laterales Universelles, das auf Dialog, gegenseitiger Anerkennung und dem Zuhören beruht. Dafür steht auch die Gründung der Respektablen Loge L’Étoile de Ubuntu in Genf. Ihr Meister vom Stuhl ist ein Bruder der Respektablen Loge La Clémente Amitié, also jener Loge, in die Victor Schœlcher aufgenommen wurde.

Lasst uns also gemeinsam wachsam bleiben, denn das Schöne ist seinem Wesen nach zerbrechlich.

Heute hier zu sein heisst, jeden Rückschritt abzulehnen. Es heisst auch, uns zu verpflichten, klarsichtige Baumeister der Freiheit, der Gleichheit und der Brüderlichkeit zu bleiben.

Victor Schœlcher zu ehren heisst nicht nur, sich zu erinnern. Es heisst, den Kampf um unsere eigene Würde weiterzuführen.»

Mit seiner Teilnahme an dieser Feier des Gedenkens und der Weitergabe bekräftigt der Grossorient der Schweiz seine unerschütterliche Verbundenheit mit den humanistischen Werten, auf denen das freimaurerische Engagement beruht. Unsere Welt ist von neuen Spannungen und Brüchen durchzogen. Umso wichtiger ist es, das universelle Ideal von Freiheit, Gleichheit und Menschenwürde durch Dialog, Brüderlichkeit und Handeln lebendig zu halten.